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Zirkus

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Warum nichtmenschliche Tiere nicht in den Zirkus gehören

Hintergründe zur Haltung von Wildtieren

Wir sind der Auffassung, dass nichtmenschliche Tiere nicht in Gefangenschaft und somit auch nicht in Zirkusse gehören, da sie hohe Ansprüche an Platzbedarf, Klima, Ernährung und Pflege erheben, denen Zirkusbetriebe kaum gerecht werden können. So haben fahrende Unternehmen nicht die Möglichkeit, nichtmenschliche Tiere artgerecht zu halten, sodass diese ihr Leben in viel zu engen Käfigen, Gehegen oder Zirkuswagen fristen, nicht ausreichend Bewegung finden, keine artgerechte Beschäftigung mit ihnen erfolgt und sie keinen Kontakt zu Artgenossen pflegen. Auch eine fachgemäße veterinärmedizinische Betreuung kann nicht erfolgen, da die wenigsten Zirkusse einen eigenen auf Wildtiere spezialisierten Tierarzt stets mitführen können und sie vor Ort kaum geeignete Mediziner finden, die die Tiere nachhaltig und dauerhaft betreuen können. Weiterhin leiden gerade Wildtiere in Europa unter dem fremden Klima und sind an die oft harten Winter nicht gewöhnt, zumal es auch vielmals an geeigneten Winterquartieren mangelt. Die ständigen Transporte stressen die Tiere und der harte Drill sowie die artwidrige Dressur führen zu massiven Verhaltensstörungen.

Platzmangel

Wildtiere leiden im Zirkus am meisten unter Platzmangel. In freier Wildbahn laufen viele Arten, wie zum Beispiel Elefanten und Flusspferde, viele Kilometer pro Tag. Im Zirkus steht ihnen dafür nur ihr enger Käfig zur Verfügung. Ein bis zwei Löwen müssen sich fünf Quadratmeter teilen, ein Bär hat etwa 12 Quadratmeter zur Verfügung, und auch den anderen nichtmenschlichen Tierarten geht es oft nicht besser. Der Platzmangel hat jedoch fatale Folgen: das ständige Hin- und Herlaufen auf kleinem Raum führt zu sogenannten Stereotypen, also Verhaltensstörungen, wie dem »Weben« (zwanghaftes Wiegen des Kopfes) beim Elefanten oder Auf- und Abgehen der Löwen. Häufig werden diese Zwangshandlungen nicht als solche wahrgenommen. Sie sind aber krankhaft und somit ein Ausdruck seelischer und körperlicher Störungen bedingt durch die art­ungerechte Haltung.

Fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten und weitere Widrigkeiten

Nichtmenschliche Tierarten sind intelligent und neugierig. Doch im Zirkus müssen sie die gesamte Zeit außerhalb ihrer Manegenauftritte in ihren tristen Käfigen verbringen, die keine Abwechslung, Beschäftigungsmöglichkeiten oder Rückzugsorte bieten. Die Auftritte selbst sind für die nichtmenschlichen Tiere jedoch kein Spaß: die grellen Lichter, die laute Musik und die jubelnde Menge machen ihnen Angst und verursachen Stress. Der ständige Transport und Ortswechsel stellt für sie ebenfalls großen Stress dar, oft müssen sie tagelang auf den engen Transportwagen ausharren. Auch unter den klimatischen Bedingungen, die oftmals einen krassen Unterschied zu denen in ihrer Heimat darstellen, leiden die nichtmenschlichen Tiere: viele Zirkusse haben keine Heizungen. Selbst die teure, artgerechte Ernährung kann nicht gewährleistet werden. Betreuungs- und medizinisches Personal sind außerdem häufig nicht hinreichend geschult.

Brutale Dressurmethoden

Die »Sanfte Dressur«, die von Dresseuren oft proklamiert wird, kann bei Wildtieren nicht zum Einsatz kommen. Hier werden andere Methoden angewendet: die nichtmenschlichen Tiere werden gedemütigt und entwürdigt, indem sie mit sogenannten Elefantenhaken, Elektroschockern oder Peitschenhieben traktiert werden. Ziel ist nicht nur das »Erlernen« von »Kunststücken«, sondern auch das Brechen des Willens der nichtmenschlichen Tiere, damit sie sich unterordnen. Die »Kunststücke«, die Wildtiere im Zirkus aufführen müssen, sind für sie vollkommen unnatürlich und nur mit Zwang erreichbar. Kein Elefant würde in freier Wildbahn einen Kopfstand machen, kein Löwe durch einen brennenden Reifen springen. Einzig die Angst vor physischer oder psychischer Strafe oder Futterentzug bringen die nichtmenschlichen Tiere zu solchen Bewegungen. Durch die andauernden Misshandlungen können die nichtmenschlichen Tiere jedoch eine latente Aggressivität entwickeln, die nicht selten in der Geschichte des Zirkusses zu Ausbrüchen und Attacken auf Menschen führten.

Falsches pädagogisches Bild

Viele Eltern besuchen gerne zusammen mit ihren Kindern den Zirkus, um Kunststücke der nichtmenschlichen Tiere und ihre bunten Kostüme zu bewundern. Der Zirkus vermittelt Kindern aber ein vollkommen falsches Bild vom Umgang mit diesen: hier wird ihnen gezeigt, dass man nichtmenschliche Tiere unterwerfen und sie zu Verhalten gegen ihren Willen zwingen kann. Kinder sollten jedoch lieber einen respektvollen Umgang mit allen Lebewesen auf gleicher Augenhöhe lernen.

Unzulängliche Gesetzliche Situation in Deutschland

Wanderzirkusse müssen zwar in Deutschland von den jeweils zuständigen Veterinärämtern kontrolliert werden. Doch die hier geltenden Leitlinien sind völlig unzureichend, um eine angemessene Haltung der nichtmenschlichen Tiere zu sichern, da sie beispielsweise weit unter den Mindestanforderungen für Zoos liegen. Auch ist es kaum möglich, nichtmenschliche Tiere zu beschlagnahmen, da einerseits geeignete Unterbringungsmöglichkeiten fehlen und andererseits ein schnelles Weiterziehen der Zirkusse dieses verhindern. Das Fehlen von Wildtierexperten, lasche Kontrollen und das häufige Einstellen von Anzeigen wegen Geringfügigkeit erschweren eine effektive Kontrolle zusätzlich. Die EU selbst macht keine konkreten Vorgaben. Trotzdem haben sich viele EU-Länder bereits für ein Verbot für Wildtiere in Zirkussen entschieden, wie beispielsweise Österreich, Schweden, Großbritannien, Griechenland und Slowenien. Auch die Bundesregierung stellt in ihrem Tierschutzbericht von 2003 fest, dass für viele Wildtierarten keine Auftrittserlaubnis mehr erteilt werden sollte. Trotzdem scheut sich die Bundesregierung noch immer vor einem bundesweiten Verbot, und das, obwohl der Bundesrat bereits mehrfach die Ausarbeitung eines solchen Verbotes gefordert hat!

Fazit

Eine artgerechte Haltung ist für nichtmenschliche Tiere und insbesondere für Wildtiere nicht möglich, da sie unter der extremen Enge, der Langeweile, den Dressurmethoden und der Isolation leiden. Daher bitten wir Sie: besuchen Sie keine Zirkusse, in denen nichtmenschliche Tiere gehalten und vorgeführt werden!

Wir laden Organisationen und Einzelpersonen dazu ein, mit uns zusammen zu arbeiten. Also meldet euch bei uns, wenn ihr mitmachen wollt :-)

Inzwischen haben wir eine Initiative mit anderen Organisationen gegründet. Mehr und vor allem Aktuelles findest du unter: www.wildtierfreier-zirkus-halle.de

Wir sind keinswegs gegen Zirkusse! Sie sind eine kulturelle Bereicherung und unterstützenswert, wenn der Erfolg nicht auf den Schultern von nichtmenschlichen Tieren getragen wird! Es gibt moderne und erfolgreiche Zirkusse, die ohne nichtmenschliche Tiere arbeiten. Es ist also Zeit, dass Zirkusse dazulernen und sich anpassen.