Vegan in Halle

Veganes Leben und Tierrechtsbewegung in Halle (Saale)

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MZ-Kolumne "Mein veganer Monat"

Im Januar hat uns Antonie von der Mitteldeutschen Zeitung (www.mz-web.de) beim Kaffeeklatsch besucht. Sie hat im Januar testweise einen veganen Monat eingelegt und darüber in einer Kolumne, die immer samstags erschien, berichtet. Wir haben die Erlaubnis der Zeitung den Text hier zu veröffentlichen. Vielen Dank :-)

Es muss nicht nur Grünzeug sein

VON ANTONIE STÄDTER
05.01.2013

Kein Fisch, kein Fleisch, keine Milch und keine Eier: ein Selbstversuch in Sachen veganer Ernährung - den ganzen Januar lang.

Die Frage kam irgendwann zwischen Entenbraten und Kaninchen: Was ist eigentlich mit den Weihnachtssüßigkeiten, dem Alibi des Jahres, Massen an Schokolade zu essen? Das würde in einer Woche nicht mehr gelten - in Schokolade steckt Milch. Ein paar Tage Zeit also nur, diesen Genüssen nachzuhängen. Da greift man doch gern einmal mehr zu! Auch ein Döner musste schnell noch sein, und ein üppiges Menü im „Kardinal Knurrhahn“ (siehe rechts). Kein Problem: Ab Neujahr würde ich mich ja total bewusst ernähren. Bewusster geht kaum.

Vegan. Es war ein Rezeptbuch von Attila Hildmann (ein Star der veganen Küche), das mich auf die Idee kommen ließ, es selbst zu probieren. Nicht auf Dauer, so viel steht fest: Dafür finde ich Fleischiges von Steak bis Soljanka zu lecker - und auch Käse. Doch dieser sportliche Typ hat mich angestachelt. Und zum Nachdenken gebracht mit Sätzen wie: „Keine andere Spezies auf diesem Planeten trinkt übrigens die Muttermilch einer anderen Tierart.“ Während viele Veganer die Nutzung von Tieren und tierischen Produkten aus ethischen, ökologischen oder politischen Gründen grundsätzlich ablehnen, geht es mir nicht vordergründig darum, und auch nicht um eine Diät. Sondern um das Experiment. Wie fühlt sich das an, ist es zu schaffen? Wollpulli und Lederschuhe trage ich also weiter, auch die Daunendecke wird nicht ersetzt.

Doch was kann man überhaupt essen als Veganer? Die Leute reagieren meist in einer Mischung aus Interesse und Unbehagen, wenn ich von dem Plan erzähle. Während Vegetarier immerhin noch Milchprodukte und Eier zu sich nehmen, ist ja auch das nicht erlaubt und sogar Honig tabu. Die erfreuliche Antwort: Man muss nicht nur Grünzeug essen. Und: Bisher bin ich immer satt geworden. Dabei kam zwischen durchaus Leckerem wie der Hirse-Creme mit Apfel und Zimt (schmeckt wie Milchreis) und Gnocchi mit gerösteter Paprika auch manch lästige Angewohnheit zutage: Etwa, wenn die Hand im Vorbeigehen routiniert in der Schale mit den Keksen (Butter!) landete. Nach kurzem Zögern habe ich davon Abstand genommen.

Auch tolle Entdeckungen gab es schon: dieses Mus aus gerösteten Mandeln etwa, das nur deshalb noch nicht alle ist, weil mit zwölf Euro für 500 Gramm auch ziemlich kostbar. Ich habe es im Bio-Laden entdeckt, als ich meine Vorräte mit nie zuvor Gekauftem wie Amaranth oder Hirse auffüllte - und mir Fragen durch den Kopf gingen wie: „Ist Hefe eigentlich vegan?“ Der Einkauf hat eine Weile gedauert…

Kakaobutter für selbstgemachte (vegane) Schokolade habe ich leider nicht gefunden. Die werde ich im Internet bestellen. Trotzdem: So schlimm, wie man immer denkt, waren die ersten Tage gar nicht - vom Neujahrsessen bei meiner Familie mit duftendem Fisch und dann dieser Sahnetorte mal abgesehen.

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Ordner wälzen beim Bäcker von nebenan

VON ANTONIE STÄDTER
12.01.2013

Kein Fisch, kein Fleisch, keine Milch und keine Eier: ein Selbstversuch in Sachen veganer Ernährung - den ganzen Januar lang.

Neulich beim Bäcker: Die Verkäuferin stutzt kurz, dann verschwindet sie im Nebenraum und kommt einen Augenblick später mit einem dicken schwarzen Ordner wieder heraus. Brötchen ohne tierische Zutaten - das müsste doch zu machen sein. Die Frau zeigt Ehrgeiz. Blättert sich in ihrer Liste von Sorte zu Sorte, schüttelt aber immer wieder mit dem Kopf: Mal steckt Butter drin, mal Milch, dann wieder Joghurt. Mittlerweile warten zwei Leute hinter mir. Mein Magen knurrt. Dann hat sie es: „Die Schusterjungen, die können Sie essen!“ Erleichterung auf allen Seiten. Doch, die tatkräftige Verkäuferin wird rot, „die sind heute schon alle“. Gelächter hinter mir…

Es kann tatsächlich ziemlich kompliziert werden, etwas Passendes zu finden, wenn man als (Test-)Veganer seine Snacks nicht dabei hat. Mal ganz davon abgesehen, dass der Appetit auf bestimmte Sachen sowieso zurückstehen muss. Zum Glück gab es an diesem Abend dann noch ein paar Dinkelbrötchen in der Auslage, die auch erlaubt waren. Ansonsten backe ich mir mein Brot seit elf Tagen selbst - da weiß man, was man hat.

Sicher war es auch nicht die beste Idee, sich in ein konventionelles Restaurant zu setzen - und darauf zu hoffen, dass es schon irgendetwas Nicht-Tierisches geben wird. Auf der Karte stand dann tatsächlich wenig, das überhaupt vegetarisch ist. Am Ende habe ich den großen Griechischen Salat genommen, ohne Hirtenkäse. Und war wieder beeindruckt: Veganer werden nicht belächelt oder genervt abgefertigt. Bei meinen Extrawünschen hätte ich mehr Gegenwind erwartet. Die Bedienung aber gibt - mit Hilfe aus der Küche - alles. Erklärt, dass das Dressing total unbedenklich sei. Fragt extra wegen des Baguettes nach. Und serviert stattdessen schließlich zum Berg saisonaler Salate knusprige, leicht gesalzene Weizenfladen. Köstlich. Die will ich jetzt immer!

Übrigens mein erster Blattsalat in den anderthalb Wochen. Denn Veganes kann auch richtig herzhaft-deftig sein. Die Zucchini-Bandnudeln mit Paprika-Tomaten-Sauce und Walnuss-Bröseln werde ich auch nach dem Monat glatt noch einmal kochen. Toller Nebeneffekt: Egal, wie gehaltvoll das Essen auch ist - man fühlt sich zwar satt, aber nie voll danach. Blöder Nebeneffekt: Ich verbringe nun mehr Zeit in der Küche, als mir lieb ist. Das kann selbst jemandem, der gerne kocht, irgendwann auf den Geist gehen. Da trifft es sich gut, dass ich mir morgen ein paar Tipps von Leuten holen kann, die sich auskennen: Die Gruppe „Vegan in Halle“ hat mich zu einem veganen Kaffeeklatsch eingeladen. Da bin ich doch gerne dabei!

Apropos Kuchen: Was mich am meisten überrascht, ist die Gier nach einem schönen, zart-schmelzenden Stück Milchschokolade. Ich war mir sicher, dass sie kommen würde. Doch sie ist bislang einfach nicht da. Es lebe das Mandelmus!

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Klarer Apfelsaft ist vorerst tabu

VON ANTONIE STÄDTER
19.01.2013

Kein Fisch, kein Fleisch, keine Milch und keine Eier: ein Selbstversuch in Sachen veganer Ernährung - den ganzen Januar lang.

Saftiger Schokokuchen mit einer Füllung aus Kirschen, duftender Bienenstich, dazu leckere Sahne - und das Beste: Ich darf das alles essen! Der vegane Kaffeeklatsch vorigen Sonntag in der halleschen „Goldenen Rose“, zu dem mich die Gruppe „Vegan in Halle“ eingeladen hatte, kam gerade richtig: Denn in den vergangenen zweieinhalb Wochen (Die Halbzeit ist rum!) bin ich erstens nicht dazu gekommen, selbst etwas Süßes zu backen, und habe zweitens ja die Erfahrung gemacht, dass beim Bäcker von nebenan nicht viel zu holen ist. Viel länger hätte ich es nur mit meinen - durchaus leckeren - veganen Süßigkeiten (mit viel Dattel und Nuss) und den Spekulatius-Resten von Weihnachten wirklich nicht ausgehalten!

Die tollen Kuchenkreationen zum Kaffee (mit Sojamilch, versteht sich) habe ich also ausgiebig verkostet. War alles gut. Und wieder überraschend leicht. Zugleich konnte ich bei dem Treffen von Veganern und Nicht-Veganern - ja, die dürfen da auch rein - noch einiges dazulernen. Von Studentin und Langzeit-Veganerin Simone zum Beispiel, die mit ein paar Freundinnen da ist und bei dem Riesenandrang, vor allem von jungen Leuten, gerade noch etwas Kuchen abgekriegt hat. Simone ist nicht nur sehr belesen in Sachen veganer Ernährung, sie hat auch Geduld für meine Anfängerfragen. Außerdem, hier ist man eben wirklich entspannt: Sie reagiert gelassen auf meine Ankündigung, im Februar wieder zu den Fleischessern zu gehören.

Und weiht mich trotzdem in die Kunst der veganen Ernährung ein: Empfiehlt mir Rezepte aus dem Internet für köstlichen Erdnuss-Eintopf und als Sahne-Ersatz Tahini (Sesampaste) mit Wasser vermischt. Warnt mich vor klaren Säften - weil zur Klärung oft Gelatine eingesetzt wird, die ja mit Tierknochen oder -haut hergestellt wird. Und erzählt mir, dass auch mancher Alkohol (etwa „Guiness“) nicht einmal vegetarisch sei - ebenfalls wegen der Klärung. „Wodka ist aber fast immer vegan“, sagt sie. Wie beruhigend.

Nur eine Sache vermisst die geübte Veganerin schmerzlich: ein Equivalent für Feta. Das gibt es nämlich nicht. Man kann zwar Tofu so formen, dass er entsprechend aussieht - beim Geschmack ist da aber nichts zu machen. Ich persönlich bin ohnehin kein Freund all der Tofu-Burger, -Steaks und -Würstchen. Das erinnert einen doch viel zu sehr an die echten Burger, Steaks und Würstchen!

Und, ja, die Sache mit dem Käse geht mir seit Tagen auch nicht mehr aus dem Kopf. Ich will keinen Ersatz, sondern richtigen Käse! Feta, Gouda, Mozzarella… Oder Frischkäse: Wenn ich darauf Appetit habe, esse ich nun immer einen dieser Brotaufstriche auf Basis von Sonnenblumenkernen, mit Schnittlauch oder Rucola drin. Schmeckt toll, aber eben nicht wirklich wie Frischkäse. Wie schön ist da der Gedanke daran, was in knapp zwei Wochen sein wird: Februar.

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Durchhalten mit Currywurst

VON ANTONIE STÄDTER
26.01.2013

Kein Fisch, kein Fleisch, keine Milch und keine Eier: ein Selbstversuch in Sachen veganer Ernährung - den ganzen Januar lang.

Ein Wochenende in London. Wie schön. Wir können nicht abheben. Wie blöd. Das Schneechaos voriges Wochenende hat auch unsere Maschine erfasst. Netterweise bekommen wir fürs Warten einen Gutschein für Essen: Mit 7,50 Euro, einlösbar überall hier im Terminal A von Tegel, will man uns milde stimmen. Bei mir klappt das nur bedingt. Die Frage ist: Bei wem soll ich den Gutschein nur einlösen?

Keiner scheint ihn hier zu wollen. Veganes? Gibt´s nicht. Ein müdes Lächeln ernte ich von der Restaurant-Bedienung, die von so etwas wohl nur mal im Fernsehen gehört hat. Aber ich bin doch hier in Berlin! Nach mehreren Runden Herumschleichen und Inspizieren von Angeboten müssen die anderen Wirte und Verkäufer schon gedacht haben, ich hätte Schlimmeres vor, als nur etwas zu beißen zu bekommen. Aber dann, Magenknurren und miese Laune sind längst mit von der Partie, hat doch noch ein Kellner ein Einsehen. Und präsentiert mir - tataa! - einen Salat mit ein paar einsamen Tomaten- und Paprikastückchen. Super…

Wir sind dann noch angekommen. Restaurants habe ich aber gemieden, mein Essen lieber im gut ausgestatteten Supermarkt besorgt. Vegane Schokolade war auch dabei. Die musste ich wider Erwarten nicht nachkaufen - so hart und geschmacklich eintönig wie sie war. Doch es eröffneten sich auch neue Möglichkeiten, wieso bin ich nicht früher darauf gekommen? Chips! Die Londoner lieben diese kleinen Tüten, die man fast ohne schlechtes Gewissen ruckzuck leer essen kann. Für mich dieses Mal mit Salz oder Balsamico - bloß nicht mit Käse oder Bacon.

Zurück in Halle dann: Currywurst mit Pommes (nein, kein Rückfall!) und als Dessert noch ein Versuch mit Schokolade, die besser, aber lange nicht so toll wie meine liebste (nicht vegane) Zwischenmahlzeit sonst ist. Doch Pommes und Seitan-Wurst (aus Weizeneiweiß, viel besser als Tofu) sind lecker. Ich hätte nicht gedacht, dass ein Equivalent dem Original so nahe kommen kann. Zu haben ist es im „La ka rot“, dem einzigen veganen Bistro in Halle. Da ist fragen nicht nötig, alles ohne Tierisches. So entspannt war ich in einem Imbiss lange nicht…

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Käse, einfach nur Käse

VON ANTONIE STÄDTER
02.02.2013

Kein Fisch, kein Fleisch, keine Milch und keine Eier: ein Selbstversuch in Sachen veganer Ernährung - den ganzen Januar lang.

So normal und doch so neu: Auf dem Frühstückstisch stand gestern, am 1. Februar, Käse. Viel Käse: Ein Brie und ein geräucherter Mozzarella, Frischkäse, Gouda, ein Stück Ziegenrolle, Feta-Würfel. Ich hatte mich einfach nicht so richtig im Griff, als ich Donnerstagabend schon einmal post-vegan einkaufen war. Käse, einfach nur Käse! Seit Wochen fehlt mir dieser schmelzig-würzige Geschmack. Bis Mitternacht habe ich aber nicht gewartet mit meinem persönlichen Käsefest - sondern lieber das Frühstück danach zelebriert.

Der erste Bissen gilt dem Brie. Seit der neulich vor meinen Augen verspeist wurde, hab ich Appetit darauf. Und dann: Riecht gut, zergeht auf der Zunge. Aber: Viel intensiver als sonst! Fast zu intensiv. Da ist das große Stück, das ich mir in alter Gewohnheit auf´s Brot gepackt habe, zu viel des Guten. Und während sich der Räucher-Mozzarella angenehm mild anfühlt, geht der Ziegenkäse gar nicht. An diese Würzigkeit muss ich mich wohl erst wieder gewöhnen.

Dafür ist der Kaffee unübertrefflich. Schummeln hatte ich mir ja verboten - auch bei dem kleinsten Schluck Milch. Und das selbst, als ich mir neulich diese tolle Kaffeemaschine zugelegt habe, die den besten Latte macchiato der Welt kann. So bin ich nun zwar halbwegs an Sojamilch im Kaffee gewöhnt, doch der Latte macchiato gestern mit dick-cremigem Schaum aus Vollmilch: Das war eine andere Liga!

Und was bleibt nun vom veganen Monat? Viel. Mehr, als ich je erwartet hatte. Ich werde künftig viel abwechslungsreicher essen - weil ich Lebensmittel und Zubereitungsarten entdeckt habe, die nicht bloßer Ersatz, sondern Bereicherung sind. Toll auch die Erfahrung, dass man sich selbst nach einem stattlichen Essen satt und trotzdem nicht voll fühlen kann. Nebenbei habe ich knapp drei Kilo abgenommen - trotz gelegentlicher Exzesse mit Mandelmus, in dem beeindruckende 645 Kilokalorien pro 100 Gramm stecken.

Ich bin gespannt, wie mir das Steak schmeckt, das mir mein Freund am Abend braten wird. Auch er war bei dem Test angetan von der veganen Vielfalt. Doch ich glaube, gestern war er wie ich auch ein bisschen froh…

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