Vegan in Halle

Feuer und Flammkuchen

Team Gastro im Le Feu

„Le Feu“ – das Feuer – ist ein brandneues Restaurant in der August-Bebel-Straße und gehört zu einer bundesweiten Franchise-Kette. Die Räumlichkeiten sind freundlich und gemütlich eingerichtet, und trotz der etwas eleganten Aufmachung fühlt man sich dort wohl, wozu auch das überwiegend studentische Klientel beiträgt, das sich hier gern in größeren Gesellschaften zum geselligen Abend einfindet.

Das Besondere am Konzept des „Feu“ ist sein Speisenangebot: Hier werden ausschließlich Flammkuchen als Hauptgang serviert, und zwar in allen erdenklichen Variationen. Verhieß die Online-Speisekarte jedoch zunächst nichts wirklich Spannendes in Sachen veganer Alternativen, so wurde das Team Gastro vor Ort äußerst positiv überrascht, denn es stehen gleich ganze zehn deftige vegane Flammkuchen zur Auswahl – und, man mag es kaum glauben, zudem auch noch sechs Varianten mit süßem Belag, alle in der Karte mit einem Symbol ganz klar als „vegan machbar“ gekennzeichnet! Ein veganer Flammkuchenhimmel sozusagen; und wir waren sofort – man verzeihe das dämliche, doch angebrachte Wortspiel – Feuer und Flamme für den Laden. Einen Dämpfer verpasste uns allerdings die Preisklasse, denn acht bis neun Euro pro Gebäckspeise sind doch etwas happig, obwohl solche Preise aufgrund der Lage und der Geräumigkeit der Location sicherlich ihre Berechtigung haben.

Nach kurzer Diskussion war der allgemeine Konsens, sich für 15 Euro pro Person auf das All you can eat einzulassen. Definitiv die richtige Entscheidung! Und das ging so: Wir besprachen mit den (übrigens sehr sympathischen) Kellnerinnen nach dem Prinzip „Einmal alles, bitte“, dass wir das komplette vegane Angebot durchprobieren möchten. Erst herzhaft, dann süß. Für unseren Tisch – das Team Gastro bestand diesen Abend aus neun hungrigen, mangelernährten Veganer*innen – wurden dann pro Runde jeweils immer vier verschiedene, bereits in Stücke zerteilte Flammkuchen mit hinreißend hauchdünnen Knusperböden ganz klassisch auf rustikalen Holzbrettern serviert. Basis des Belags bildet ein cremiger Sojarahm mit einer feinen Zitronennote, darauf finden sich zudem die jeweiligen frischen Zutaten, die, so schien es, auch wirklich so gleichmäßig und sorgfältig auf dem Teigfladen verteilt werden, dass sich auf jedem Stück etwas von allem befindet und jeder auf seine Kosten kommt. Der Tradition gemäß werden die im lodernden Feuer gebackenen Flammkuchenstücke etwas zusammengerollt und bestecklos mit der Hand gegessen. So kamen alle Beteiligten in den Genuss, wirklich von jeder angebotenen Sorte probieren zu können. Sobald die Bretter leer waren, wurden auch schon die nächsten herangetragen, sodass wir uns bald in einem glückseligen Dauer-Mampf-Zustand befanden.

Ein kleiner Wehrmutstropfen war der bisweilen etwas spärliche Belag der Flammkuchen, denn leider wird der Tiermilchkäse bei den veganen Flammkuchen einfach weggelassen, anstatt eine tierliebe Alternative à la Wilmersburger zu verwenden, und ich persönlich vermisste Räuchertofu als kräftigeren Geschmacksgeber, der oftmals vorzüglich mit den anderen Zutaten harmoniert hätte. Daher fiel die vegane Option hin und wieder etwas mager und fade aus, wie beispielsweise bei der Sorte „Lauch-Käse“, auf der folglich nur Lauch zu finden war, oder der wenig geschmacksintensive Spinat-Flammkuchen. Ein weiterer Kritikpunkt ist das Fehlen von Nachwürzmöglichkeiten am Tisch, obwohl ich es sehr begrüße, wenn Gerichte nur wenig gewürzt sind und jeder Gast selbst entscheiden kann, inwieweit das Essen auf dem eigenen Teller noch geschmacklich verfeinert werden soll. Salz und Pfeffer wären ganz schön gewesen, allerdings haben wir auch nicht danach gefragt; vielleicht hätten wir dann ja welches bekommen.

Als klarer Gewinner geht der „Flammkuchen des Monats“ hervor: eine süße Komposition namens „Weihnachtszauber“, belegt mit saftigen Äpfeln, Spekulatiusbruch, großzügig dicken Marzipanscheiben und Rosinen, als finalen Touch bestäubt mit einem Zucker-Zimt-Gemisch und auf Wunsch mit Cointreau flambiert für das ultimative Weihnachtsfeeling. Unter den deftigen Flammkuchen lagen aufgrund der fehlenden Gewürze diejenigen Sorten geschmacklich vorn, dessen Zutaten von Natur aus einen eher starken Eigengeschmack haben, beispielsweise Oliven, Champignons und Peperoni. Eigens für uns kreierte das Küchenpersonal noch zwei veganisierte Sorten, namentlich den ziemlich scharfen „Tex Mex“ mit Kidneybohnen und Mais sowie den „Ziegenkäse“-Flammkuchen mit einem durchaus ausgefallenen Geschmackserlebnis dank der überraschenden Komposition aus leckeren Birnenscheiben, fruchtiger Preiselbeersauce und zerstoßenem schwarzen Pfeffer.

Nach zweistündigem Aufenthalt, in dem alle veganen Versionen der üppigen Auswahl tatsächlich serviert und verzehrt (und die Flammkuchen „Weihnachtszauber“ und „Ratatouille“ sogar ein zweites Mal bestellt) wurden, bestätigt das Team Gastro, dass das „Le Feu“ durchaus empfehlenswert ist und gern für weitere Besuche in Betracht gezogen werden kann. Alle Anwesenden waren satt und zufrieden; für alle Geschmäcker war ausreichend gesorgt worden. Es wird angeraten, sich trotz des höheren Preises von 15 Euro für das All you can eat zu entscheiden, denn ein einzelner Flammkuchen pro Person wäre nicht wirklich sättigend und der doch sehr stolze Preis für die geringe Menge Essen unangemessen. Dessen ungeachtet ist es großartig, dass im „Le Feu“ ein solch breitgefächertes Angebot für vegan lebende Menschen fester Bestandteil der Speisekarte ist, und somit steht einem ausgelassenen Schlemmerabend in gemütlichem Ambiente nichts mehr im Weg!

*Andrea*