Vegan in Halle

Veganes Leben und Tierrechtsbewegung in Halle (Saale)

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Demonstration vor dem Schweinehochhaus in Maasdorf (Sachsen-Anhalt)

Ein unscheinbares Gebäude an der Landstraße zum kleinen Örtchen Maasdorf, man könnte es für verlassenes Fabrikgelände halten. Stattdessen handelt es sich um eine Schweinezuchtanlage, die schon seit vielen Jahren in der Kritik steht, mit den Haltungspraktiken gegen gesetzliche Vorgaben zu verstoßen. In diesem Artikel wollen wir die Problematik vorstellen und aufzeigen, weshalb wir es für sinnvoll erachten, weiterhin an den offiziellen Protestaktionen vor dem Schweinehochhaus teilzunehmen.

Das Gebäude

Das Hochhaus bei Maasdorf (Sachsen-Anhalt) im Saalekreis wurde 1969 gebaut und galt als Vorzeigeobjekt, da so mit hoher Effizienz die steigende Nachfrage von Fleisch erfüllt werden konnte. Das Gebäude ist 25 Meter hoch und ist mit seiner Bauweise heute noch einzigartig in Europa.

Die Haltung

500 Hybridsauen und bis zu 2500 Ferkel werden auf sechs Etagen untergebracht. Dabei werden die Sauen in der 2. Etage künstlich besamt. Im Anschluss daran transportiert man sie mittels Lastaufzügen in Gruppen von 3 Sauen oder bis zu 50 Ferkeln in die 5. Etage zu 200 weiteren tragenden Sauen. Kurz vor der Entbindung kommen die Sauen in Abferkelkäfige in der 4. oder 6. Etage. Die Trennung von den Jungtieren geschieht mehrere Wochen nach dem Abferkeln. Bis zum Verkauf werden die Jungtiere auf der 1. und 3. Etage der Mastanlage gezüchtet.

Missstände

Das Deutsche Tierschutzbüro e.V. hatte bereits 2015 die Missstände im Schweinehochhaus dargelegt und eine erste Strafanzeige gestellt. Inhalt damals: das fehlende Brandschutzkonzept und die viel zu kleinen Kastenställe. Des Weiteren konnte die Tierschutzorganisation zum damaligen Zeitpunkt Videomaterial vorlegen, auf dem zu sehen war, wie die Tiere für die Beladung vor dem Transport mit Schlägen und Tritten getrieben wurden. Diese erste Strafanzeige wurde abgewendet mit der Begründung, dass sich der Betreiber um die Anpassung der Kastenstände kümmert.

2016 stellte das Deutsche Tierschutzbüro erneut eine Strafanzeige wegen zu enger Kastenstände. Diese Mal hatte das Deutsche Tierschutzbüro die Missstände belegt und die Strafanzeige wurde nicht eingestellt.

Die nun 3. Strafanzeige gegen den Betreiber wurde Ende 2017 aufgrund weiterer Vorwürfe veranlasst. Nun liegen über 500 Stunden Videomaterial vor, welches sich dank versteckter Kameras im Gebäude sammeln ließ. Auf den Aufzeichnungen ist unsachgemäße Tötung und unnötige Quälerei der Tiere durch Mitarbeiter*innen erkennbar. Schweine, die sich nicht um sich selbst drehen können, Ferkel die in den Löchern der Gitterboxen hängen bleiben oder von anderen Schweinen erdrückt werden. Zudem wurden erhebliche hygienische Mängel festgestellt.

Öffentlicher Protest

Wer unserem Blog schon eine Weile folgt, hat vielleicht noch in Erinnerung, dass schon im Jahr 2015 eine große Protestaktion vor dem Schweinehochhaus in Maasdorf stattgefunden hat. Unseren Artikel zur Aktion 2015 könnt ihr hier nachlesen. Zur zweiten öffentlichen Demonstration vorm Schweinehochhaus in Maasdorf am Sonntag, den 22.04.2018, waren wir wieder zahlreich vertreten. Die Anreise fand in Fahrgemeinschaften oder in den vom Tierschutzbüro bereitgestellten Shuttlebussen statt. Gegen 12 Uhr versammelten sich die ersten Demonstrierenden zu einem friedlichen Aufruf für das schweinische Wohl. Waren es zur Demonstration 2015 noch 400 Schweinehochhausgegner*innen, sind es dieses Jahr bereits 650 Personen gewesen.

Eine Videoleinwand mit Aufnahmen aus dem Hochhaus offenbarte das grausame Innenleben der Anlage. Die nebenstehende Tribüne für Sprecher*innen verschiedener Tierschutzorganisationen und den musikalischen Live-Act war der Hauptanlaufpunkt der Veranstaltung. Ein veganer Imbissstand sorgte für das leibliche Wohl und im Laufe des Tages wurden Schokoriegel und vegane Würstchen verteilt. Vor der Hauptaktion des Protests, dem Bilden einer Menschenkette aller anwesenden Demonstrierenden, erhielt man ein kleines Schwein aus Pappe, auf dem man seine persönliche Botschaft festhalten konnte.

Mit den Rufen „Schweinehochaus schließen“ und „Wer will schon da rein? Niemand, auch kein Schwein!“ verkündete die Gemeinschaft ihre Meinung. Die Stimmung war bedrückend im Wissen, dass nur wenige Meter entfernt die Tiere artungerecht Ihr Dasein fristeten.

650 Demonstrationsteilnehmer und -teilnehmerinnen sind noch nicht genug, um dem stummen Leiden unsere Stimme zu verleihen. Um für jedes einzelne Schwein einen Sprecher oder eine Sprecherin zu haben, bräuchte es noch knapp 2400 weitere Demonstrant*innen – denn in dem Gebäude sind zeitweise bis zu 3000 Tiere untergebracht, zählt man die Muttertiere und die vielen Ferkel zusammen. Ist das Schweinehochhaus in Maasdorf damit ein besonders extremes Beispiel für Massentierhaltung auf engstem Raum? Und woher soll der Konsument wissen, welches Fleisch aus dieser besonders schlimmen Haltung kommt und welche Tiere weniger gelitten haben?

Tierhaltung in Deutschland und "humanes Schlachten"

Der Blick auf die aktuellen Statistiken des Statistischen Bundesamtes zum Schweinebestand und den schweinehaltenden Betrieben lässt vermuten, wie diese Frage beantwortet werden muss:

Zur aktuellen Erhebung der Schweinebestände wurden am 3. November 2017 27,6 Millionen Schweine in Deutschland gehalten. Im Vergleich zum Mai 2017 ist der Bestand um 1,5 % bzw. um ca. 403 000 Tiere angestiegen.„ […] Die Zahl der schweinehaltenden Betriebe war im Gegensatz zu den Beständen mit –1,5 % gegenüber Mai 2017 auf 23 500 weiterhin rückläufig. Im November 2015 hatte es noch gut 25 700 schweinehaltende Betriebe in Deutschland gegeben, im November 2016 rund 24 400.¹

Fazit: wenn immer mehr Tiere auf immer weniger Fläche untergebracht werden müssen, drängt sich der unangenehme Gedanke auf, dass die Videoaufnahmen vom Schweinehochhaus in Maasdorf kein Einzelfall sind. Vielleicht können sich die Tiere in einem anderen Schweinemastbetrieb wenigstens um sich selbst drehen, sich auf die Seite legen, vielleicht erfahren sie sogar so etwas wie Fürsorge von den Betreibern. Nichtsdestotrotz bleibt der unumstößliche Fakt: es gibt keine „humane Schlachtung“. Ein kurzer Blick auf die Definition des Wortes „human“ führt die Absurdität dieses Begriffspaares vor Augen: human bedeutet „menschenwürdig, gütig, ohne Härte“. Demgegenüber stehen die tatsächlichen Praktiken in der Schlachtung: der Bolzenschuss, Elektroschocks und Vergasungen mit Kohlendioxid. Wie am Fließband werden die Tiere getötet und sind dabei immer noch fühlende Lebewesen, die ihre Artgenossen in den Tod gehen sehen, die das Blut riechen, die die Schreie hören - worin liegt da die Menschenwürdigkeit, die Güte?!

Um abschließend noch einmal auf die einleitenden Worte zurückzukommen: natürlich finden wir jeden Protest, jede Demonstration und jedes weitere Vorgehen gegen diesen Horrorbetrieb in Maasdorf unterstützenswert und richtig. Wir wissen aber auch, dass letztendlich nur die vegane Lebensweise das Entstehen solcher Bilder vermeiden kann. Solange der Mensch Tiere oder ihre Erzeugnisse (Milch, Käse, Eier) isst, solange willigt er still in diese Form der Tierhaltung ein. Wir wünschen uns also nicht nur die Schließung dieser speziellen Schweinemastanlage, die nur wenige Kilometer von Halle entfernt liegt, sondern denken über Landesgrenzen hinaus an alle Tiere in dieser Welt, die ohne jeglichen Grund für die Lebensmittelindustrie gehalten und geschlachtet werden. Human wäre, sie am Leben zu lassen, weil „nicht zu töten nicht so schwer ist“.

¹ Statistisches Bundesamt: Informationen zu Schweinebeständen 2017

*Verfasst von Frank und Jule*