Herkunft, Verantwortung und Hilfe
Wer durch Halle spaziert, begegnet ihnen fast überall: auf dem Marktplatz, am Bahnhof, sie sind allgegenwärtig. Stadttauben gehören seit Jahrhunderten zum Leben europäischer Städte.
Trotzdem werden sie oft übersehen, oder nur dann wahrgenommen, wenn sie geschwächt, krank oder verletzt sind. In solchen Momenten stellt sich für viele Menschen die Frage:
Was kann ich tun?
Ein erster Schritt ist zu verstehen, woher diese Tiere eigentlich kommen und warum sie heute in unseren Städten leben.
Woher kommen Stadttauben?
Stadttauben sind keine Wildvögel, sondern Nachkommen von Haustauben. Diese wiederum stammen von der Felsentaube ab, einer ursprünglich an Felsklippen lebenden Vogelart.
Sie zählen zu den allerersten domestizierten Tieren, wurden von Menschen gehalten und gezüchtet – etwa als Brieftauben, Haustiere oder zur Fleischgewinnung. In vielen Städten gehörten Taubenschläge lange Zeit selbstverständlich zum Stadtbild.
Als sich Städte im 19. und 20. Jahrhundert veränderten, verschwanden viele dieser Taubenhaltungen. Zahlreiche Tiere wurden freigelassen oder entkamen aus der Haltung. Die heutigen Stadttauben sind daher Nachkommen domestizierter Tiere, die vom Menschen gezüchtet und später weitgehend sich selbst überlassen wurden.
Gebäudenischen, Brücken und Kirchen ersetzen heute die Felsen ihrer Vorfahren. Durch ihre lange gemeinsame Geschichte mit dem Menschen sind Stadttauben stark an menschliche Siedlungen angepasst.
Deshalb tragen Städte und ihre Bewohner*innen auch eine gewisse Verantwortung für das Zusammenleben mit diesen Tieren.
Herausforderungen für Tauben in der Stadt
Das Leben in der Stadt ist für Tauben oft schwieriger, als es auf den ersten Blick scheint.
Viele Tiere finden nur ungeeignete Nahrung, verletzen sich und leiden unter Parasiten oder Krankheiten. Gleichzeitig fehlen häufig sichere Nistplätze.
Dabei handelt es sich um soziale und intelligente Vögel, die feste Partnerschaften bilden und ihre Jungen gemeinsam aufziehen.
Wenn einzelne Tiere verletzt oder stark geschwächt sind, können sie ohne Hilfe kaum überleben.
Woran erkennt man, dass eine Taube Hilfe braucht?
Eine Taube benötigt möglicherweise Hilfe, wenn sie:
- nicht mehr fliegen kann
- stark aufgeplustert und apathisch wirkt
- sichtbar verletzt oder blutig ist
- sich kaum bewegt oder leicht greifen lässt
Auch Jungtauben, die noch gelbe Federn haben und am Boden sitzen, können Hilfe brauchen.
Im Zweifel lohnt es sich immer, eine kurze Einschätzung von erfahrenen Helfer*innen einzuholen.
Was tun, wenn Sie eine hilfsbedürftige Taube finden?
Beobachten Sie das Tier zunächst kurz aus etwas Abstand. Achten Sie auf sichtbare Verletzungen oder auffälliges Verhalten.
Notieren Sie, wenn möglich, den Fundort und machen Sie ein Foto. Diese Informationen helfen dabei, die Situation besser einzuschätzen.
Bitte umgehend sichern, damit es nicht von Autos, Fahrrädern oder anderen Gefahren verletzt wird.
Beherzt zugreifen rettet Leben.
Wie kann man eine Taube kurzzeitig sichern?
Wenn eine Taube geschwächt ist, lässt sie sich oft vorsichtig aufnehmen.
Geeignet ist zum Beispiel:
- ein Karton mit Luftlöchern
- ein Jutebeutel oder Stoffbeutel
Der Beutel oder Karton sollte möglichst ruhig und dunkel stehen, damit das Tier sich beruhigen kann.
Bitte kein Futter oder Wasser einflößen, solange der Zustand des Tieres unklar ist.
Hilfe organisieren
Eine häufig genutzte Anlaufstelle für Taubenfunde in der Region ist die Facebook-Gruppe:
„Tauben-Notfallmeldung – Das Original“
https://www.facebook.com/groups/223203588124951
Hier können Sie:
- ein Foto posten
- den Fundort angeben
- eine kurze Beschreibung schreiben
Oft melden sich dort Menschen aus der Region, die Erfahrung mit Stadttauben haben und beim Einfangen oder Transport helfen können.
Auch lokale Tierschutzorganisationen können Ansprechpartner vermitteln.
Tierschutz Halle e. V.
Goldbergstr. 120
06118 Halle (Saale)
Telefon: 0345 / 2024101
E-Mail: info@tierschutz-halle.de
Viele Initiativen arbeiten ehrenamtlich, daher können die Kapazitäten unterschiedlich sein.
Was fressen Stadttauben?
Stadttauben sind Körnerfresser. Geeignete Nahrung besteht hauptsächlich aus verschiedenen Getreide- und Saatkörnern, zum Beispiel:
- Weizen
- Mais
- Erbsen
- Sonnenblumenkerne (in kleinen Mengen)
Frisches Wasser ist ebenfalls wichtig.
Nicht geeignet sind Brot und Backwaren, da sie kaum Nährstoffe enthalten und Verdauungsprobleme verursachen können.
Langfristige Lösungen: betreute Taubenhäuser
In vielen Städten werden inzwischen betreute Taubenhäuser oder Taubenschläge eingerichtet. Dieses Konzept wird häufig als Augsburger Modell bezeichnet.
Dabei werden den Tauben sichere Nistplätze angeboten und sie werden regelmäßig mit geeignetem Futter versorgt. Die Eier werden gegen Attrappen ausgetauscht, wodurch die Population langfristig reduziert werden kann.
Solche Projekte können helfen, Konflikte zwischen Menschen und Tauben zu reduzieren und gleichzeitig das Wohl der Tiere zu verbessern.
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