Sarah

Seit Februar 2020 gibt es das Tattoostudio „Inkerbell Tattos“ in der Puschkinstraße 16. Das Besondere daran: Man kann sich dort vegan tätowieren lassen. Das ist nach unserem Kenntnisstand bisher einmalig in Halle, also bin ich, Kristjan, losgezogen und habe die Inhaberin Sarah zu ihrem Laden und zum Thema veganes Tätowieren interviewt.

Sarah hat uns auch freundlicherweise ein paar Bilder ihrer Kunst zur Verfügung gestellt 🙂

Hallo Sarah! Schön, dass du dir Zeit nimmst. Möchtest du dich kurz vorstellen und etwas zu dir sagen? Wo kommst du her? Wie bist du nach Halle gekommen?
Hallo Kristjan, also, ich bin Sarah, 31 Jahre alt und lebe jetzt seit 10 Jahren in Halle. Manchmal frage ich mich, ob ich mich denn nun schon als Hallenserin bezeichnen darf, aber ich erzähle zu gerne, dass ich aus einem kleinen Nest hinter Magdeburg komme und dass es dort in der Umgebung eigentlich mehr Kühe als Menschen gibt 😉 Denn dadurch wird auch gleich mein Lieblingstier erwähnt. 2010 hat mich ein Kunstpädagogik-Studium nach Halle verschlagen, aber so ganz wurde ich damit nicht glücklich und so habe ich im Tätowieren einen neuen Weg gefunden. Nun habe ich mir mit einem eigenen Tattoostudio einen großen Traum erfüllt. Ich wohne mit meinem Freund, unserem fast 2 Jahre alten Sohn, einer kleinen pummeligen Katze und einem verrückten Kater im wunderschönen Paulusviertel und kann mir zur Zeit keinen schöneren Ort zum leben vorstellen. Halle ist meine Wahlheimat geworden und ich denke, es wird auch noch eine ganze Weile so bleiben.

Lebst du selbst vegan?
Ja, ich lebe seit 2010 vegan. Mit 16 fing ich an mich vegetarisch zu ernähren und der Umzug nach Halle hat dann dazu geführt, dass ich mich intensiver mit Veganismus auseinander gesetzt habe. Einen Großteil haben meine damaligen Nachbarn dazu beigetragen, da ich mit ihnen viel darüber geredet habe und sie mich dann letztendlich überzeugen konnten, es einfach mal zu versuchen.

Was kann denn beim Tätowieren nicht vegan sein?
Da gibt es einige Sachen. Zum einen das Papier mit dem das Motiv auf die Haut gedruckt wird. Das ist das sogenannte Stencil. Dieses Matrizenpapier enthält oftmals eine dünne Schicht aus tierischer Gelatine. Beim Tätowieren selbst benötigt man Vaseline um die Haut geschmeidig zu halten. In dieser kann man aber oft Aktivkohle finden und diese wird meist aus Tierknochen gewonnen. Manche Pigmente in den Farben können tierischen Ursprungs sein. Zum Beispiel bei den Rottönen, oder es wird tierisches Glycerin als Bindemittel benutzt. Auch bei der Nachsorge muss man die Augen offen halten. So kann die Pflegecreme nicht vegan sein, aber da hat man schon ein breiteres Spektrum zur Auswahl mit tollen veganen Produkten.

Ist also Tätowieren in normalen Studios dann meist nicht vegan?
Das würde ich nicht unbedingt sagen. Viele Tätowierer nutzen unwissentlich vegane Produkte, weil viele Hersteller der Produkte mittlerweile von sich aus auf tierische Bestandteile verzichten. Auch die Farben werden nicht mehr an Tieren getestet. Meine favorisierten Farbhersteller sind Intenze, Eternal Ink und World Famous Ink. Diese findet man in vielen Studios und sie sind als vegan deklariert. Der einfachste Weg ist in diesem Fall vorher nachzufragen. Euer Tätowierer kann da sicherlich alle Fragen beantworten und mit euch zusammen die Inhaltsstoffe checken.

Was machst du anders?
Meine Farben sind alle vegan, sowie die Vaseline, das Stencilpapier usw. und da achte ich auch direkt drauf, dass es so ist. Des Weiteren benutze ich so weit es geht „nachhaltige“ Folien und Abdeckungen. Diese werden aus nachwachsenden Rohstoffen produziert. Leider fällt beim tätowieren sehr viel Müll an, was sich aber aus hygienischen Gründen nicht vermeiden lässt. Da für mich aber auch Müllvermeidung zum Veganismus gehört versuche ich darauf so gut es geht Rücksicht zu nehmen. Zum Beispiel hole ich die Reinigungsmittel im Unverpacktladen.

Allerdings kann man sich wohl bei den Rasierern nicht immer sicher sein, dass die vegan sind. Ich habe mal gehört, dass in dem Plastik tierische Bestandteile sein könnten. Das lässt sich aber leider nicht so einfach überprüfen und die Desinfektion wurde irgendwann sicherlich mal an Tieren getestet, aber die ist halt leider nicht ersetzbar, da sie VAH-gelistet* sein muss.

(Anmerkung von Kristjan: Sarah bezieht sich hier auf die Desinfektionsmittel-Liste des Verbund für Angewandte Hygiene e.V. (VAH))

Man muss also selber abwägen, was für einen vertretbar ist. Ob tätowieren zu 100% vegan möglich ist, lässt sich also nicht so einfach beantworten. Aber ich würde behaupten, dass ich dies mit bestem Wissen und Gewissen zu 99% umsetze
🙂

Wer sich zum Beispiel bei den Rasierern unsicher ist könnte sich einen eigenen Einwegrasierer mitbringen, aber so weit ist bei mir noch keiner gegangen (auch kein Veganer
😄), alternativ könnte man die zu tätowierende Körperstelle auch vorm Termin selbst rasieren. Dabei ist aber zu beachten, dass die Klingen sehr scharf sind und es darf kein Rasurbrand entstehen. Am besten spricht man dies vorher mit den TätowiererInnen ab. So spart man nämlich auch wieder ein bisschen Plastik ein 😃

Fragen viele Kund*innen ganz konkret danach ob die Tattoos vegan sind? Kommen viele Veganer*innen zu dir?
Es wird eher wenig nach den Arbeitsmitteln gefragt, die ich benutze. Ich denke aber, dass es einfach daran liegt, dass mir das nötige Vertrauen entgegengebracht wird. Viele vermuten auch gar nicht, dass irgendetwas davon unvegan sein könnte.Wenn ich weiß, dass KundInnen vegan leben, weise ich vorher auch drauf hin und kläre über die Inhaltsstoffe auf. Da kam dann ab und an schon mal ein „Ach, das hätte ich gar nicht gedacht!“

Werden Motive mit veganem Bezug oder Tierrechtsbezug oft nachgefragt?
Tattoos die einen direktem Bezug zum Veganismus haben habe ich auch schon gestochen, aber es können sehr gerne noch viel mehr werden 🙂 Das fängt bei einem kleinen „V“ an und geht über die Liebe zu bestimmten Gemüsesorten bis hin zum Lieblingstier. Es gibt viele Möglichkeiten seine Liebe dazu auszudrücken und es muss für den Betrachter auch nicht immer gleich offensichtlich sein 🙂

Hast du einen speziellen Stil? Wie würdest du ihn beschreiben?
Ich finde es immer schwierig meinen Stil zu beschreiben, da man dadurch schnell in eine Schublade gesteckt wird. Aber generell kann man sagen, dass meine Motive eher illustrativ sind mit Sketch- und Watercolorelementen. An sich probiere ich aber auch gerne Neues aus. Bei mir findet man auf jeden Fall viele Farben. Das Leben kann sich oft genug von einer düsteren Seite zeigen, umso wichtiger finde ich es sich davon nicht die Laune vermiesen zu lassen. Mit bunten Tattoos geht das auf jeden Fall einfacher 🙂 Meine Tattoos sollen Geschichten erzählen und anregen darüber zu reden. Mit einem Tattoo möchte man immer etwas mitteilen, egal ob rein dekorativ oder mit tiefer Bedeutung. Deswegen ist mir der Austausch mit KundInnen enorm wichtig.

Nutzt du Social-Media-Kanäle auf denen man deine Arbeit sehen kann?
Am aktivsten bin ich auf Instagram und da findet man mich unter Inkerbell_tattoos. Wer Facebook nutzt kann dort gerne mal nach Inkerbelltattoos suchen 🙂
(Anmerkung von Kristjan: Die Links zu beiden Profilen habe ich unten angehangen)

Wie kann man dich für einen Termin kontaktieren?
Termine vergebe ich immer alle 3 Monate. So muss man nicht all zu lange auf den Termin warten und ich habe keinen überfüllten Kalender der mich erschlägt 🙂 Dafür schreibt man mir dann einfach eine E-Mail an hallo@inkerbelltattoos.de mit dem Motivwunsch und allen weiteren wichtigen Infos. Auf Instagram und Facebook poste ich immer, wann es wieder so weit ist. Die nächste Terminvergabe für den Zeitraum Oktober bis Dezember wird voraussichtlich ende Juli stattfinden. Aber da Corona auch bei mir einiges durcheinander gebracht hat, kann ich da noch kein genaues Datum nennen 😃

Was ist dein Lieblingsessen? Wo gehst du in Halle am liebsten essen?
Kartoffeln in allen Variationen. Kartoffelbrei, -salat, -auflauf, -puffer, Pommes … egal, damit macht man mich auf jeden Fall richtig glücklich 😃
Und meine Favoriten fürs außerhalb Essen sind ganz klar das Vegs und das Shabby. Das macht die Lage meines Studios noch besser, da ich in der Mittagspause die Möglichkeit habe schnell mal rüberzulaufen und mir was leckeres zum Schnabulieren holen kann (Chili Cheese Hot Dog, es gibt nichts besseres).

Ich danke dir! Möchtest du sonst noch etwas mitteilen?
Auf jeden Fall danke für dieses Interview und danke, dass ihr es allen (Neu-) Veganern mit eurer Arbeit und vor Allem mit der Stadtkarte so einfach macht! Gerade am Anfang weiß man ja manchmal nicht so recht wohin mit sich aber dank des Kaffeeklatsches und Co ist man definitiv nicht allein.

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Kategorien: Allgemein

1 Kommentar

Newsletter Juni 2020 – Vegan in Halle · 16. Juni 2020 um 23:58

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